Freiluftstillen für mehr Akzeptanz in der Öffentlichkeit

Ich war frischgebackene Mutter und stillte instinktiv von Beginn an nicht nach der Uhr, sondern nach dem Bedürfnis meines kleinen Babys. Wenige Wochen nach der Geburt machten wir einen Ausflug zum See. Es war ein wunderschöner Tag, dementsprechend viele Leute genossen die Sonne ebenfalls auf der schönen Wiese am See. Wir suchten uns ein schattiges Plätzchen und legten uns hin. Kurz darauf merkte ich, wie mein Kleiner hungrig wurde und nach der Brust verlangte. Bis zu diesem Zeitpunkt stillte ich noch nie ausserhalb meiner vier Wände und machte mir auch nie Gedanken darüber, wie das dann wohl sein wird.

 

In diesem Moment überkam mich ein unwohles Gefühl. Ich schämte mich, meine Brust auszupacken und mein Baby umgeben von fremden Menschen zu stillen. Ich versuchte uns so gut wie möglich abzudecken. Ich war verkrampft und fühlte mich nicht wohl. Dies merkte natürlich auch mein Söhnchen, weshalb das Stillen überhaupt nicht klappte. Er dockte immer wieder ab und war sichtlich gestresst von dieser Situation, sodass ich kurzerhand hastig zurück ins Auto ging und dort im völlig überhitzten Auto stillte.

Zurück zu Hause machte ich mir viele Gedanken über diesen Vorfall. Ich war irritiert von meinen eigenen Gefühlen. Wieso war mir das Stillen in der Öffentlichkeit so unangenehm? Es kann doch nicht sein, dass ich mich für etwas versteckte, das eigentlich völlig natürlich ist? Ich fragte mich, wie die Leute wohl reagiert hätten, wenn ich einfach gestillt hätte. Ohne verstecken, ohne verdecken.

 

An diesem Abend beschloss ich, mich von nun an nicht mehr zu verstecken oder gar zu schämen. Wieso auch, ist es nicht ein absolut natürliches Bedürfnis, sein Kind zu nähren?

 

Stillen – wo und wann ich möchte

 

Seit diesem Vorfall stille ich Elijah wo und wann immer er hungrig ist. Ich verstecke uns nicht und suche auch nicht lange nach einem ruhigen und abgeschirmten Ort. Ich stille manchmal sogar bewusst und fast schon ein bisschen absichtlich an öffentlichen Plätzchen, um zumindest für meinen kleinen Teil etwas mehr Akzeptanz und Normalität in Bezug auf das Stillen zu schaffen. Sei es beim Bummeln im Laden, im Restaurant (andere Menschen essen da ja auch, wieso also mein Baby nicht?) oder im Bus.

 

Ja, ich merke die teilweise entsetzten Blicke, aber diese ignoriere ich unterdessen gekonnt. Ich freue mich lieber über die netten Menschen, die mich anlächeln oder die zuvorkommende Verkäuferin, die mir eine Sitzmöglichkeit anbietet. Kleine Kinder beobachten uns ungeniert und stellen dabei fest, dass Elijah so süss sei und nicht, dass da ein Nippel hervorblitzen könnte. Es scheint als ob Kinder noch nicht so verkorkst wie viele Erwachsene sind. Sie sehen mit ihren Kinderaugen das natürliche Bedürfnis der Nahrungsaufnahme, nicht eine anstössige Handlung die einem zum beschämten Wegschauen zwingt. Sie sehen den eigentlichen Sinn dahinter, das Stillen eines Bedürfnisses.

 

Wir Mütter haben es in der Hand

 

Wir stillenden Mütter haben es ein Stück weit selbst in der Hand, wie unsere Mitmenschen das Stillen wahrnehmen. Etwas das bewusst versteckt wird suggeriert automatisch, dass es sich um etwas handelt, was versteckt werden sollte. Etwas Beschämendes oder gar Verbotenes. Wenn wir alle unsere Kinder Freiluftstillen würden, dann wird es von unseren Mitmenschen eher als völlig normale Handlung wahrgenommen, als wenn wir uns immer krampfhaft versuchen zu verstecken. Nur so ist eine Veränderung in den Köpfen der Leute möglich, nur so kann es zur Normalität werden.

 

Ich setze mich für entspanntes Stillen in der Öffentlichkeit ein, damit die entsetzten Blicke irgendwann ein Ende haben. Wahrscheinlich nicht mehr für uns, aber zumindest für unsere Kinder und die nächsten Generationen, die vielleicht auch einmal mit der gleichen Situation konfrontiert sein werden.